Auf Vater wartet der Henker – Die Kinder der Strafgefangenen in China Teil 2/2
Tian Tian ist Waise, der Vater wurde für einen Mord hingerichtet, ihre Mutter hat sich das Leben genommen. Seit vier Jahren lebt sie im Kinderdorf. Längst hat sich die Zwölfjährige an den strengen Rhythmus gewöhnt, aber der Anfang war schwer. “Im ersten Jahr wollte ich wirklich jeden Tag nach Hause. Der Zaun des Kinderdorfs war damals noch nicht so hoch wie heute und da waren ein paar Lücken im Zaun, da passte ich durch, mein Kopf war ja noch klein. Jede Nacht bin ich weggelaufen und die Leute vom Kinderdorf mussten mich suchen. Ein paar Verwandte haben mir dann gesagt, ich kann in unserem Dorf anrufen, wenn ich Heimweh habe. Dann war es ok.” Etwa 100 Kinder wohnen im Kinderdorf von Peking, manche kehren heim, wenn ihre Eltern aus dem Gefängnis entlassen werden, andere bleiben, bis sie 18 Jahre alt sind, wie Tian Tian. Sie weiß um das Schicksal ihres Vaters, aber manch anderes Kind im Dorf ist noch ahnungslos. Der Alltag wirkt fröhlich, die schwierigen Themen werden verdrängt. Wie auch soll man Kindern erklären, dass der Staat ein Elternteil oder auch beide hat hinrichten lassen? Die Wahrheit bringt nur Leid und Sorgen, für eine professionelle psychologische Betreuung fehlt ohnehin das Geld. Zhang Nainai – Großmutter Zhang, wie sie alle nennen, die Gründerin des Kinderdorfs. Sie ist Managerin, Organisatorin und Ersatzmutter für viele Kinder. Eine Mammutaufgabe. Viele der Kinder kommen aus zerrütteten Familien, manche waren sogar Zeugen, wie die Mutter den Vater ermordet …



Sun, Aug 14, 2011
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